Kategorie: Literarisches

Frühmorgens

Frühmorgens

Nebel frisst Haus um Haus unersättlich …   Auch in mir spüre ich ihn höre ihn fressen genussvoll schmatzende Stille, die mich fesselt an meine Müdigkeit   Langsam lässt er dumpfen Kopfschmerz schwellen bis die Gedanken über die Schwelle der Dumpfheit stolpern   Nebel Die Dachziegel des Nachbarn erblassen

telefon

telefon

nach endlosen letzten schritten den schweren hörer wie festgeklebt am ohr tropfen die neun ziffern träge aber unaufhaltsam aus meinen fingerspitzen auf schweißnasse tasten und schaffen platz   für die angst die die sorgsam zurechtgelegten worte wieder ausradiert

dein blick

dein blick

dein blick macht mich blind ich kann nicht mehr sehen nur dich möchte dich halten in meinen armen und an mich drücken fest in mich hinein dass du mein herz wirst mein neues herz das alte zu ersetzen das längst dir gehört

Der neben mir

Der neben mir

Das Gewicht der Nacht lastet auf meinen Augen die standhalten müssen um alles aufzunehmen was der neben mir befiehlt Die Nacht drückt schwer und der versäumte Schlaf treibt mit einem Knüppel aus Stahl – 7,62 mm – den Gedanken durch mein Gehirn: ich kann nicht mehr – und der neben mir befiehlt Zwei Hände stolpern …

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Siesta

Siesta

Straßenstaub, rastlos fremd im schlafenden Mittag. Die einsame Pflanze sucht verdurstend den eigenen Schatten. Gesplitterte Flaschen träumen vom verblichenen Abend, als sie den Wein vergossen, der sie erfüllte. Die Wände der Häuser verschließen die Augen. Bröckeln, das einst Fassade war. Ahnungen von Farbe; weiß wie der Tod aus der Sonne. Gagliano, 02.10.1986

Die Henkersmahlzeit

Die Henkersmahlzeit

L‘ Entrée. Ich kenne ihn. Da bin ich mir sicher. Ganz sicher. Nur, woher? Ich habe ihn schon einmal gesehen … in der Zeitung oder im Fernsehen? Ich hasse es, wenn in mir schwammige Erinnerungen aufsteigen, die ich nicht fassen kann. Erinnerungen wie ein Mückenschwarm. Nicht zu verjagen und quälend. Ich kenne ihn und ich …

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Der Elektriker

Der Elektriker

— Eine Zirkusgeschichte. — Ich hasse Zirkuszelte. Kein Platz, Gestank, Dreck. Vor allem hier unten, unter den Holzplanken. Und um halb fünf Uhr nachts ist es im September auch verdammt dunkel. Trotz Taschenlampe. Verfluchte Taschenlampe. Sie ist eigentlich viel zu groß, um sie mit den Zähnen ruhig halten zu können. Aber ohne sie sehe ich …

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Endlich

Endlich

— Eine sehr kurze Geschichte, geschrieben irgendwann im letzten Jahrtausend. — Es war dunkel. Es war so dunkel, wie er es noch nie erlebt hatte. Und er hatte schon einiges an Dunkelheit erlebt. Verdrossen schloss er die Luke seines Panzers. Er startete den Motor und fuhr los in diese Dunkelheit, die so unsagbar lichtlos war. …

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Der weiße Klappstuhl

Der weiße Klappstuhl

Sie stellte die volle Caffettiera auf die Holzplatte des Tisches. Dann rückte sie sich den weißen Klappstuhl aus der Schlafkammer zurecht und setzte sich wieder zu ihm. Gianni, ihr Mann, stapelte die Teller, mit Spuren von Rigatoni und Pesto, legte sämtliches Besteck darauf und stellte alles in die Mitte des rechteckigen Möbels. Die Tassen, ein …

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